Das Archiv

Das Archiv
sammelt Dokumente und Gegenstände, die die hundertjährige Geschichte der Genossenschaften unserer Region dokumentieren. Das ist besonders wichtig, weil gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wandel zu einem Konzentrationsprozess im Genossenschaftswesen geführt haben, der die ursprünglichen Strukturen zum Verschwinden gebracht hat. Das Archiv ist eine Gründung von vier Kreditgenossenschaften, weitere sind beigetreten. Gesammelt werden Jahresabschlüsse, Prüfungsberichte, Geschäftsberichte, Protokolle, Presseberichte, Fotos und charakteristische Aktenvorgänge. Vorhanden sind Unterlagen über mehr als 90 Genossenschaften, darunter 45 Kreditgenossenschaften, Bezugs- und Absatzgenossenschaften und das einzige genossenschaftliche Krankenhaus Deutschlands, das Krankenhaus Salzhausen. Der Bestand vergrößert sich ständig.

Bewahrt werden soll auch das Andenken der Personen, die mit großem persönlichen Einsatz die Genossenschaften gegründet und geleitet haben. Herausragend in der Region ist die Persönlichkeit des Egestorfer Heidepastors Wilhelm Bode (1860-1927), der als Pionier der Genossenschaftsbewegung reichsweit tätig war.

Da sich das Genossenschaftswesen durch eine umfassende Fusionsbewegung z.Zt. tiefgreifend verändert, ist es um so wichtiger, das Wissen um die Ursprünge zu bewahren und den Weg der Veränderung nachzuzeichnen.

Die Genossenschaften
waren eine Antwort auf die "soziale Frage" des 19. Jahrhunderts.
Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen waren die Gründer einer Genossenschaftsbewegung, die um 1890 auch die Region des Landkreises Harburg, des Kreises Lüneburg und des Landkreises Soltau-Fallingbostel erreichte, nachdem schon 1859 die heutige Volksbank Lüneburg gegründet worden war. In dieser Region wurden neben zahlreichen Kreditgenossenschaften auch Bezugs- und Absatzgenossenschaften, Molkereigenossenschaften und andere genossenschaftliche Betriebe gegründet.

Die soziale Wirkung der Kreditgenossenschaften war tiefgreifend: Die durch die Agarreform benachteiligten ländlichen Unterschichten der Häuslinge und Landarbeiter bekamen die Möglichkeit, eigene Existenzen (Abbauerstellen) zu begründen. Die größeren Besitzer erhielten die zur Modernisierung der Landwirtschaft nötigen Kreditmittel, Handwerker und Gewerbetreibende konnten ihre Betriebe entwickeln. In einer Zeit, als im politischen Leben das Dreiklassenwahlrecht noch die besitzenden Klassen begünstigte, strebten Genossenschaften nach der sozial gerechten Teilhabe auch der schwächeren Schichten, jedes Mitglied hatte in ihnen eine gleichwertige Stimme, sie wurden dadurch eine Art Vorschule der Demokratie.

Studierende und Forscher
sind im Genossenschaftlichen Archiv nach Verabredung mit dem Archivar willkommen. Den Zugang regelt eine Benutzungsordnung . Die Bestände sind zum großen Teil in einem speziellen PC-Programm erfasst. Über ein Schlagwortsystem kann der Inhalt erschlossen werden.